Es begann 1890

Bis gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts war das kulturelle Leben Schmittens vor allem nach Düdingen ausgerichtet, zu dessen Gemeinde und Pfarrei der Ort damals noch gehörte. Schmitten wurde 1894 zur eigenständigen Pfarrei und nach zähem Ringen 1922 auch zur politisch selbständigen Gemeinde. Parallel zu diesen Bemühungen regte sich in Schmitten damals auch der Wunsch nach kultureller Eigenständigkeit. Ein wichtiger Schritt in diese Richtung war 1877 die Gründung des Cäcilienvereins.

Dreizehn Jahre später, im Juni 1890 wurde die erste Musikgesellschaft gegründet. Sie zählte 19 Mitglieder, Präsident war Alois Emmenegger, Dirigent Peter Zollet. Die Geschichte der ersten Dorfmusik war aber nur von kurzer Dauer. Die letzte protokollierte Probe fand am 7. März 1891 statt. Als Grund für die Auflösung ist folgendes nachzulesen: „Die Tätigkeit dieser Gesellschaft hört auf, weil der Dirigent alt und schwach wurde.“

 

Ein zweiter Versuch folgte

Es zogen einige Jahre ins Land, bis ein zweiter Versuch unternommen wurde, in Schmitten eine Musikgesellschaft zu gründen. Auf dem Schriftstück, welches als Gründungsurkunde bezeichnet werden kann, fehlt leider das Datum. Auf dieser Urkunde steht der Satz: „Folgende Mitglieder sind mit der Gründung einer neuen Musikgesellschaft einverstanden und erklären sich bereit, ihr Möglichstes dazu beizutragen.“ 30 Mitglieder sind aufgeführt, Dirigent war Meinrad Zollet.

Leider stand auch das Schicksal der zweiten Musikgesellschaft unter einem schlechten Stern. Der Weisse Sonntag des Jahres 1905 wurde für sie zu einem schwarzen Tag. Anscheinend konnten sich die Musikanten nicht einigen, ob während der Erstkommunion in der Kirche, oder erst nach dem Gottesdienst vor der Kirche gespielt werden soll. Diese Uneinigkeit war offenbar so heftig, dass sich die Streithähne nicht mehr versöhnten und den Verein kurzerhand auflösten.

 

Beim dritten Anlauf klappte es

Weitere fünfzehn Jahre vergingen, bis sich im Winter 1919/20 ein halbes Dutzend Initianten erneut an die Gründung einer Dorfmusik heranwagten. Es waren fast alles junge Burschen, beseelt vom Wunsch, selber Musik zu machen. Zum Teil waren es Söhne oder Enkel von ehemaligen Mitgliedern der ersten beiden Musikgesellschaften. Eine wichtige Rolle spielte Joseph Roggo aus Heitiwil, Vater des späteren Staats- und Ständerates Alfons Roggo. Die Burschen gingen zu Joseph Roggo in die Ausbildung.

Ein Initiativkomitee entstand, und am Schalttag des Jahres 1920, am 29. Februar, fand in der „Pinte“ in Berg die Gründungsversammlung statt. In den Vorstand wurden folgende Mitglieder gewählt: Emil Schmid (Präsident), Pius Jungo (Vizepräsident), Alfred Kissling (Sekretär), Linus Zosso (Kassier), Alfons Lehmann (Beisitzer), Joseph Roggo (Dirigent).

Die Mitglieder mussten ein Eintrittsgeld von zehn Franken und einen Monatsbeitrag von einem Franken bezahlen. Als Dirigentenhonorar verlangte Joseph Roggo kein Geld, sondern lediglich den vollen Einsatz aller Musikanten. Wohl aufgrund der Erfahrungen mit den ersten beiden Musikgesellschaften wurde in den Statuten folgender Satz aufgenommen:„Die Musikgesellschaft darf nicht aufgelöst werden, wenn mindestens 6 Mitglieder deren Fortbestehen verlangen.“

Gleich zu Beginn wurde sie auf eine harte Bewährungsprobe gestellt. Wegen der zu dieser Zeit ausgebrochenen Maul- und Klauenseuche wurde über die ganze Region ein Versammlungsverbot verhängt. Aus diesem Grund durften die Musikanten natürlich auch nicht mehr für die Proben zusammenkommen, offiziell jedenfalls nicht (…) .Auf Schleichwegen begaben sie sich nach Heitiwil zu ihrem Dirigenten Joseph Roggo, wo in der heimeligen Stube fleissig geprobt wurde.

 

Erfreuliche Entwicklung

An der Hauptversammlung 1921 wurde beschlossen, dem Kantonalverband beizutreten, und am Ostermontag, anlässlich der Kapellenweihe in Berg, trat die Musikgesellschaft das erste Mal öffentlich auf. Die Teilnahme am Kantonalen Musikfest, welches 1921 in Düdingen stattfand, war eine besondere Herausforderung.

 

1922 spielte die Musikgesellschaft zur Feier der Erstkommunion, diesmal ohne sich zu zerstreiten! Sie wirkte an der Fronleichnamsprozession mit, verschönerte mit der musikalischen Umrahmung die Primiz von Hochwürden P. Franz Emmenegger und weihte auch noch die erste Fahne. Zur Speisung der Kasse wurden Lottos und Gartenfeste organisiert und Theater aufgeführt.

 

1926 wurde die erste Uniform angeschafft. Im selben Jahr musste Dirigent Joseph Roggo aus beruflichen Gründen nach Payerne umziehen. Manchmal kam er per Bahn, oft auch per Auto nach Schmitten. Der Reihe nach wurden die wenigen Autobesitzer in der Gemeinde angefragt, den Dirigenten in Payerne abzuholen und nach der Probe wieder nach Hause zu bringen. Es soll sogar vorgekommen sein, dass Joseph nach der Probe den langen Heimweg zu Fuss angetreten ist und erst in den frühen Morgenstunden im Broyestädtchen ankam. Der wegen des weiten Weges umständliche Probenbesuch veranlasste ihn schliesslich schweren Herzens zur Demission.

 

1927 wurde Peter Schmutz aus Flamatt zum Dirigenten gewählt und Joseph Roggo zum ersten Ehrenmitglied der Musikgesellschaft ernannt. Ebenfalls 1927 wurden die Proben von der „Pinte“ in Berg ins Schulhaus nach Schmitten verlegt. Leider war es dem Dirigenten Peter Schmutz wegen einer unheilbaren Krankheit nur kurze Zeit vergönnt, die Musikgesellschaft zu leiten.

 

1930 wurde sein Bruder Moritz Schmutz zum Dirigenten gewählt. In den folgenden Jahren wurden verschiedene Bezirks- und Kantonalmusikfeste besucht, Konzerte und Ständchen gegeben, Theater und Lottos veranstaltet und gesellige Ausflüge organisiert. Der Kriegsausbruch 1939 brachte einen harten Einschnitt ins Vereinsleben. Wegen der Mobilmachung konnte nur noch selten geprobt werden.

 

1945 feierte die Musikgesellschaft ihr 25-jähriges Bestehen. In seiner Festansprache brachte Präsident Peter Jungo-Rappo seine Erleichterung über das Ende des zweiten Weltkrieges zum Ausdruck: „Endlich, 1945, werden die Waffen niedergelegt. Die ganze Welt atmet auf und hofft, die Völker mögen sich wieder finden, sich verstehen und begreifen, dass jedermann berechtigt ist, sein Brot zu verdienen. Das Jahr 1945 ist das 25-jährige Jubiläumsjahr unserer Gesellschaft, das uns nach langem, harten Ringen zu strenger Schulung wieder mahnen muss, damit wir unsere Aufgabe erfüllen können, die wir als Musikanten zu erfüllen haben. Möge nun wieder ein neuer Geist aufleben, ein zäher Geist, wie ihn die Gründer hatten, das walte Gott.“

 

1947 wurde die Senslertracht angeschafft. „Eine schöne Anzahl Mitglieder bestritt persönlich die Gestehungskosten ihrer Tracht.“ kann in der Chronik nachgelesen werden. Dank der Tracht wurde die Musikgesellschaft immer wieder an interessante Anlässe im In- und Ausland eingeladen. So nahm sie mehrmals am Unspunnenfest teil, an der Trachtenwallfahrt nach Rom, am Oktoberfest in München, an der Landmaschinenausstellung in Le Mans (Frankreich), an der OLMA St. Gallen, an verschiedenen Eidgenössischen und Kantonalen Trachten- und Jodlerfesten und an weiteren schönen Anlässen.

 

1952, nach 23-jähriger, erfolgreicher Tätigkeit als Dirigent demissionierte Moritz Schmutz. Nachfolger wurde Francis Bays aus Freiburg.

 

1953 fand das Eidgenössische Musikfest in Freiburg statt, Grund genug für die Musikgesellschaft Schmitten, an diesem Grossanlass teilzunehmen.

 

1958 ist Gründungspräsident Emil Schmid gestorben. Im gleichen Jahr demissionierte Dirigent Francis Bays. Nachfolger wurde Michel Ayer aus Freiburg.

 

1960 wurde Emil Vaucher neuer Präsident. Während 15 Jahren diente Emil als Schweizergardist im Vatikan in Rom. Dort besuchte er das Konservatorium und war Mitbegründer der päpstlichen Gardemusik. Nach dem 2. Weltkrieg kehrte er in seine Heimat zurück. Emil war ein ausgezeichneter Trompeter und ein engagierter Präsident. In seinem ersten Amtsjahr beschloss die Musikgesellschaft die Beschaffung von neuen Uniformen und Instrumenten. Dank der erfolgreichen Sammelaktion konnte zusätzlich auch noch eine neue Fahne angeschafft werden.

 

1962 fand die Uniformen- und Fahnenweihe statt. Fahnenpaten waren Bertha Boschung und Alois Zosso. Im gleichen Jahr demissionierte Dirigent Michel Ayer. Nachfolger wurde Eduard Sallin aus Überstorf.

 

1966 nahm die Musikgesellschaft Schmitten am Eidgenössischen Musikfest in Aarau teil. Der Chronist notierte zu diesem Anlass folgendes: „Wir spielen in der 3. Klasse und schliessen sehr gut ab. Kranz mit 7 Goldeinlagen sowohl im Marsch wie in den 2 Ouvertüren. In Schmitten wird uns ein sehr herzlicher Empfang zuteil.“

 

1970 feierte die Musikgesellschaft ihr 50-jähriges Bestehen.

 

1971 demissionierte Dirigent Eduard Sallin. Nachfolger wurde Gerhard Horner aus Heitenried.

 

1976 wurde eine Neuinstrumentierung beschlossen. Um die Finanzierung zu sichern, wurde ein grosses Dorffest organisiert. Ausserdem fand auf dem Bauernhof der Familie Rudaz das 1. Friesenheidfest statt. Diesem Fest war wohl auch wegen der originellen Umgebung ein ausserordentlich grosser Erfolg beschieden.

Dirigent Gerhard Horner demissionierte. Nachfolger wurde Eduard Sallin, welcher nun zum zweiten Mal die Leitung der Musikgesellschaft Schmitten übernahm.

 

1977 wurden die neuen Instrumente eingeweiht.

 

1980 demissionierte Dirigent Eduard Sallin. Nachfolger wurde Franz Kohler.

 

1981 wurde das erste von Dirigent Franz Kohler organisierte Proben-Wochenende im Falli-Hölli durchgeführt. Nach dem dramatischen Erdrutsch, der auch das Gebäude zerstörte, in welchem jeweils geprobt und logiert wurde, fanden die Proben-Wochenenden im Haus der Jugend in Schwarzsee oder im Berghaus Gurnigel statt.

 

1984 nahm die Jugendmusik Schmitten unter der Leitung von Toni Waeber erstmals am Kantonalen Musikfest der Kadetten in Prez-vers-Noréaz teil.

Am 30. September wurde die neue Fahne geweiht. Die Fahnenpaten Edith Vonlanthen und Kanis Lehmann sind beide seit vielen Jahren treue und grosszügige Gönner der Musikgesellschaft. Edith Vonlanthen hat besonders enge Beziehungen zur Musikgesellschaft. Ihr Vater, Josef Vonlanthen, war von 1927 bis 1962 Fähnrich und ein ausgesprochen treuer Musikfreund. Die Tochter hat diese Freundschaft weitergeführt und sich bis heute immer wieder durch besondere Grosszügigkeit gegenüber der Musikgesellschaft ausgezeichnet. So ist die Musikgesellschaft jeweils an Fronleichnam nach dem Tagwachtblasen bei der „Fahnengotta“ im Ried zum Frühstück eingeladen.

 

1985 war für die Musikgesellschaft ein besonderes Jahr. Am Kantonalen Musikfest in Murten trat sie unter der musikalischen Leitung von Franz Kohler zum ersten Mal in der 1. Stärkeklasse an und schnitt erfolgreich ab.

 

1991 demissionierte Dirigent Franz Kohler. Nachfolger wurde Bruno Hayoz aus Murten.

Unter der Leitung von Franz Kohler erlebte die Musikgesellschaft einen beeindruckenden musikalischen Aufschwung. In den fast 11 Jahren seines Wirkens stieg sie von der 3. in die 1. Stärkeklasse auf und schloss am Kantonalen Musikfest in Marly als zweitbeste Gesellschaft des Sensebezirks ab. Franz Kohler kümmerte sich auch intensiv um die musikalische Ausbildung des Nachwuchses und legte damit den Grundstein für diese erfreuliche Entwicklung. Als Dank für seinen unermüdlichen Einsatz wurde er zum Ehrendirigenten ernannt.

 

1992 fand die 3. Neuuniformierung statt. Anstelle der mittlerweile 30jährigen, eher militärisch streng wirkenden Uniform wurde eine elegante, zeitlose Kleidung beschafft. Der neue Anzug soll den Elan und frischen Geist, der in der Musikgesellschaft herrscht, auch nach aussen hin dokumentieren.

 

1993 wurde anlässlich des Galakonzertes der 1. Tonträger in der Geschichte der Musikgesellschaft produziert. Die Aufnahme fand grossen Anklang und entsprechend schnell waren die Kassetten verkauft.

 

1994 wurde nach einem längeren Unterbruch wieder ein Ausflug organisiert. Dieser führte an einem herrlichen Septembertag in die grandiose Berg- und Seelandschaft der Innerschweiz. Die Wanderung auf dem „Weg der Schweiz“ entlang des Urnersees, die anschliessende Schifffahrt, das Mittagessen auf dem Seelisberg und die Heimfahrt über den Brünig werden noch lange in guter Erinnerung bleiben.

 

1995 fand die 75-Jahrfeier statt. Anlässlich dieser Feierlichkeiten wurde dank der Initiative von Toni Waeber das erste Sensler-Jugendmusiktreffen durchgeführt. Dieses Treffen ist seither fester Bestandteil in der musikalischen Agenda des Sensebezirks.

Just im Jubiläumsjahr war die Musikgesellschaft an Fronleichnam zum 50. Mal bei der Fahnenpatin Edith Vonlanthen zum traditionellen Frühstück nach dem Tagwachtblasen eingeladen.

 

1996, nach einem 30-jährigen Unterbruch, wurde in Interlaken wieder einmal an einem Eidgenössischen Musikfest teilgenommen.

 

1997 wurde zwecks Förderung der regionalen Zusammenarbeit gemeinsam mit den Musikgesellschaften Alterswil, Bösingen, Überstorf und Wünnewil die „RegiJugiMusik Sense Nord“ gegründet. Jungmusikantinnen und Jungmusikanten der fünf Vereine proben einmal im Monat und treten an verschiedenen Anlässen gemeinsam auf.

 

2002 nahm die Musikgesellschaft als Gastverein am Luzerner Kantonal-Musiktag in Ufhusen teil.

 

2006 konnte der neue Probenraum im Schulhaus in Betrieb genommen werden.

 

2007 begleitete die Musikgesellschaft eine Delegation des Gemeinderates und des Vereins „Partnerschaft mit Dabrowica“ auf einer Reise nach Polen. Anlässlich dieser Reise wurde die seit 1995 bestehende Partnerschaft zwischen den beiden Gemeinden gefestigt. Es war für alle Teilnehmenden ein beeindruckendes und unvergessliches Erlebnis.

 

2008 fand das Bezirksmusikfest nach 1952 wieder einmal in Schmitten statt. Vom 1. bis 4. Mai wurde dieser Grossanlass bei schönstem Frühlingswetter erfolgreich durchgeführt.

 

2013 demissionierte Dirigent Bruno Hayoz. Über 22 Jahre lang, von 1991 bis 2013, hat er die Musikgesellschaft kompetent und mit viel Gespür geleitet und gefördert. Sein Nachfolger ist Silvan Hof aus Wangen bei Olten.

 

Die Musikgesellschaft heute

Besonders in den ersten Jahren nach der Gründung waren viele Klippen zu umschiffen. Sowohl äussere Einflüsse wie z.B. der 2. Weltkrieg als auch interne Probleme stellten die Musikgesellschaft zeitweise auf harte Bewährungsproben. Hochs und Tiefs wechselten sich ab, aber immer wieder wurden gemeinsam Wege zur Bewältigung der Schwierigkeiten gefunden. Stetig ging es aufwärts. Dank der systematischen Förderung des Nachwuchses und dank dem vollen Einsatz jedes einzelnen ist das erreichte musikalische Niveau hoch. An Wettbewerben wird in der 1. Stärkeklasse konkurriert.

Zum Repertoire gehört sowohl traditionelle wie auch moderne und konzertante Blasmusik. Im kulturellen und gesellschaftlichen Leben der Gemeinde nimmt die Musikgesellschaft heute einen wichtigen Platz ein. Sie geniesst bei der Bevölkerung viel Sympathie und Anerkennung und sie kann auch auf eine grossartige moralische und finanzielle Unterstützung zählen.

Als Verein, der Menschen die Möglichkeit bietet, ein faszinierendes Hobby zu erlernen und auszuüben und damit die Freizeit sinnvoll zu gestalten, erfüllt die Musikgesellschaft auch eine soziale Aufgabe.

Heute kann die Musikgesellschaft Schmitten als eine musizierende Gruppe mit überaus herzlichem und freundschaftlichem Verhältnis bezeichnet werden. Obwohl es wegen des grossen Freizeitangebotes nicht immer einfach ist, Jugendliche für das Mitmachen zu motivieren, kann doch optimistisch in die Zukunft geblickt werden. Der gute Geist im Verein, die engagierte Vereinsführung und die Anerkennung und Unterstützung aus der Bevölkerung sind beste Voraussetzung dafür.